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FASZINATION DER LANGSAMKEIT

Das BOZAR – Palais des Beaux-Arts in Brüssel zeigt noch bis zum 4. Juni 2017 eine große Retrospektive zu dem Maler, Grafiker, Bildhauer, kinetischen Objektkünstler Pol Bury. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern der belgischen Nachkriegskunst.

1922 im belgischen Haine-Saint-Pierre geboren, studierte er kurz an der Academie des Beaux-Arts in Mons und erfährt seine frühe künstlerische Prägung ab dem Ende der 1930er Jahre im Umkreis der surrealistischen Dichtkunst. Er wird Mitglied in der „Groupe de recherches surréalistes“. Mit deutlichen Einflüssen der Surrealisten Yves Tanguy und René Magrittenimmt er 1945 an der Exposition Internationale du Surréalisme in Brüssel teil. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tritt Pol Bury der Künstlervereinigung „Jeune Peinture Belge“ bei und wird im Jahr 1949 kurzzeitig Mitglied von „CoBrA“. Danach wendet er sich der geometrischen Abstraktion zu.
In den frühen 50er Jahre wird die Anregung durch Alexander Calders in seinen Arbeiten, Skulpturen und bewegten Objekten deutlich. 1953 entstehen die ersten beweglichen „Plan mobiles“, 1955 die windbewegten „Girouettes“ und 1957 die motorbetriebenen „Multiple planes“. Im Jahr 1968 beginnt Pol Bury, sich als Schmuckdesigner zu betätigen. 1971 zeigt das New Yorker Guggenheim Museum eine erste Retrospektive zu seinem Werk.

In der Ausstellung „Time in Motion“ wird die meditative Krafts seiner kinetischen Arbeiten deutlich. Scheint oftmals auf den ersten Blick keine Bewegung erkennbar, ist der Betrachter gezwungen zu warten bis sich eine Kugel, ein Draht um einen Milimeter bewegt. Vor allem die feinen und äußerst filigranen Nylon- und Drahtarbeiten „White“, „Red“ oder „Black Points“ sind wunderbare Beispiele für die Magie der Ruhe. Verspielt und zugleich ernst lassen sie Zeit vergehen und vermitteln die wichtige Bedeutung der Langsamkeit und des vermeintlichen Stillstandes.


Rue Ravenstein 23, 1000 Brüssel, Belgien

www.bozar.be

Abbildungen:

Pol Bury, 74 sphères sur un plan (detail), 1979. Private Collection © Foto Jean-François De Witte, Brussel

Plans mobiles – 1953, collection privée, Pays-Bas © unknown