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DESIGN LABEL GRETCHEN | KEINE GRETCHENFRAGE

Ein Stück deutsche Kultur und ganz viel Liebe zum Naturmaterial Leder: Anne-Christin und Michael Georg Schmitt sind nicht nur ein Paar, sondern auch Geschäftspartner. Mit großem Erfolg kreieren sie seit 2006 unter dem Namen GRETCHEN exklusive Taschen und Accessoires aus hochwertigem Leder. Ihr Stil: zeitloses Design von skulpturaler Ästhetik in spannenden Materialkombinationen.

Anne-Christin ist in der Handschuhmanufaktur ihrer Eltern aufgewachsen. Bereits mit 15 Jahren hat sie erste Entwürfe entwickelt und war später auch im Verkauf tätig. Die Leidenschaft für feinstes Leder, ihre kreative Begabung und das Wissen über eine perfekte Verarbeitung des Naturmaterials hat sie sich von klein auf erarbeitet.

Die Rollenverteilung bei Anne-Christin und Michael Georg Schmitt ist klar definiert. Sie kümmert sich sowohl um den kreativen Part als auch um den Ledereinkauf, die Herstellung und Qualitätskontrolle; er um das perfekte Marketing. Die Angst, als Ehepaar etwas zusammen aufzubauen, was vielleicht irgendwann zerbrechen kann, haben sie nicht. „Sonst wären wir den Schritt nicht gegangen“ sagt die Designerin selbstbewußt.

Bis heute ist das Konzept erstklassig aufgegangen. Das Taschen- und Accessoirelabel GRETCHEN made in Berlin-Kreuzberg ist überaus erfolgreich. Das Designlabel von Anne-Christin und Michael Georg Schmitt wurde bereits mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, wie unter anderem auch durch den Red Dot, den renommiertesten aller Designpreise.

Ob nach Taschen und Accessoires nun auch eine Kleiderkollektion folgt, wie sie den Spagat zwischen bezahlbarer Ware und sozialem sowie ökologischem Engagement schaffen und wie sich Privat- und Geschäftsleben miteinander vereinbaren lassen – wir haben nachgefragt.

Warum der Name GRETCHEN?

Die Bedeutung des Namens Gretchen, nämlich „kleine Perle“, fanden wir sehr passend für unsere Taschen: jede soll einmalig sein, ein kleines Schmuckstück, eine kleine Kostbarkeit. So wie echte Perlen auch. Gleichzeitig wollen wir zu unseren deutschen Wurzeln stehen. Und weil Gretchen über Goethes Faust weltweit mit deutscher Kultur in Verbindung gebracht wird, war uns klar: „Das ist genau der richtige Name!“.

Wieso habt ihr euch auf Taschen und Accessoires konzentriert? Würde für euch auch das Entwerfen einer Kleiderkollektion in Frage kommen?

Da ich mit Leder groß geworden bin und meinen Vater schon als Kind auf Lederwarenmessen nach Bologna und zu Gerbereien in der ganzen Welt begleitet habe, ist Leder einfach mein Material. Ich liebe die Haptik, denn ein schönes Leder schmeichelt der Hand so sehr. Und dann hatte ich das große Glück, schon während der Schulzeit meine Entwürfe mit den Mustermachern in der Handschuhproduktion umsetzen zu dürfen. Über Jahre habe ich mir ein sehr profundes Produktwissen und technisches Know-How aneignen können. Bekleidung und Stoffe sind in jeder Hinsicht anders – Verarbeitungstechniken und Rohmaterialien sind grundverschieden. Und dann sage ich mir immer „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Aber: Regeln sind da um gebrochen zu werden. Aktuell entwickeln wir einen Cashmere-Schal für unsere Gretchen-Stores.

Wie ist die Fashion Week gelaufen?

Gut! Als reines Accessoire-Label sind wir ja nicht in den Zelten vertreten, das ist ja eher der Bekleidung vorbehalten. Wir nutzen aber unseren Flagship-Store in den Hackeschen Höfen für Pressetermine und um Einkäufer zu treffen. Wir waren auch in dieser Saison wieder sehr zufrieden. Und im eigenen Laden ist das natürlich auch eine ganz besondere Atmosphäre weil man mitten in der Gretchen-Welt ist. Das begeistert Redakteure wie Einkäufer gleichermaßen.

Welcher Moment ist schöner? Der kurz vor der Fashion Week oder der kurz danach?

Nach der Fashion Week, ganz klar! Dann kann man mal wieder durchatmen. Die Wochen bis zur Fashion Week bzw. zum Saisonstart sind immer sehr hektisch. Wobei das ja auch irgendwo Spaß macht. Die mit Spannung erwartete Musterkollektion trifft endlich ein und dann läuft alles auf Hochtouren: Foto-Shoot, Produktbilder, Kataloge layouten etc. Am Schluss dann hält man endlich in den Händen, woran man monatelang gearbeitet hat.

Angesichts des knallharten Preiswettbewerbs lässt die Modebranche gerne in Billiglohnländern produzieren. Was macht ihr, um den Spagat zwischen bezahlbarer Ware auf der einen Seite und sozialem und ökologischem Engagement auf der anderen Seite hinzubekommen?

Mein Credo ist, dass Schönheit nicht nur vom Design, sondern zugleich von der Qualität abhängig ist. Tolles Leder, tolle Verarbeitung – erst so wird doch eine Tasche zum wertigen, optisch ansprechendem Highlight. Zudem sind Gretchen-Taschen sehr aufwändig designt und dadurch komplex und äußerst anspruchsvoll in der Fertigung. Hier ist traditionelles, detailverliebtes Handwerk gefragt und keine schnelle, auf Fliessbandarbeit getrimmte Massenproduktion. Da erübrigt sich die Frage nach Fernost-Produktion also von alleine. Und weil wir darüber hinaus unser Leder ausschließlich aus Italien beziehen, handelt es sich bei unseren Waren um ein rein europäisches Produkt.

Ihr lebt und arbeitet in Berlin. Habt ihr jemals überlegt in eine andere Stadt – die vielleicht mehr zum Stil von GRETCHEN passt – wie zum Beispiel nach München, Mailand oder Paris zu ziehen?

Die Frage haben wir uns, seitdem wir vor inzwischen sechs Jahren mit der Firma hierhin gezogen sind, nie gestellt. Es wäre ein Fehler bei der Auswahl des Sitzes eines Modelabels zu sehr auf den Modestil der jeweiligen Stadt zu achten. Wesentlich wichtiger sind die generellen Bedingungen die man vorfindet – und da hat Berlin einiges zu bieten.

Ganz abgesehen davon läuft der Taschenverkauf in Berlin sehr gut. Zwar zunächst nur gezielt an ein internationales Publikum, was auch der bewusst gewählten Lage unseres Ladenlokals geschuldet ist. Derzeit sind wir aber auf der Suche nach einem zweiten Ladengeschäft in der Nähe des Kudamms, da wir uns sicher sind, dass es auch genug einheimische Gretchen-Kundinnen in Berlin gibt.

Anne im AtelierAnne-Christin, du bist nicht nur die Designerin, sondern auf den GRETCHEN-Werbekampagnen auch das Model. Warum?

Weil es Spaß macht! Ich präsentiere Gretchen gerne nach außen hin, denn im Endeffekt „bin ich Gretchen“. Und unsere Kundinnen sind sehr interessiert daran, mehr über die Marke zu erfahren. Sie wollen ganz genau wissen, wer sich hinter der Marke verbirgt. Da bietet es sich also an, dass ich mich auf unseren Kampagnen-Bildern zu erkennen gebe. Zusätzlich hängen in unserem Flagship-Store in Berlin auch „ungeschminkte“ Bilder von mir bei der Musterfertigung; sozusagen als Blick hinter die Kulissen.

Wie schafft ihr euch – bei der ganzen Arbeit die ihr habt – Freiräume?

Indem wir an den Wochenenden etwas unternehmen und wegfahren. Aber auch indem wir an berufliche Termine – wenn möglich – noch ein paar Tage „Urlaub“ dranhängen. Michael nennt das dann gerne „Workation“. Wäre ja auch schade, zu einer Messe nach Japan zu fliegen, 3 Tage in einer Halle zu stehen und dann sofort zurückzufliegen ohne etwas vom Land gesehen zu haben.

Wann merkt ihr, dass der Beruf auch euer Privatleben beeinflusst?


Unser Beruf beeinflusst ständig unser Privatleben; das ist sehr schwer voneinander zu trennen. Wir sind beide mit der Selbstständigkeit unserer Eltern groß geworden; das kennen wir gar nicht anders. Insofern ist für uns das Zusammensein selbstverständlich und nichts Negatives. Allerdings versuche ich auch ganz bewusst abzuschalten. Wenn man am Abend und an den Wochenenden nur von der Arbeit spricht, ist das überhaupt nicht gut. Dann verhänge ich uns manchmal „Arbeits-Rede-Verbot“.

Wie sieht der perfekte arbeitsfreie Tag für euch aus?

Ein entspanntes großes Frühstück ist immer ein guter Start. Danach einfach draußen in der Natur sein! Einen Spaziergang durch den Wald, eine Bootsfahrt auf dem Wasser oder ähnliches.

www.mygretchen.com

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