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MEIN KIND, MEIN BUSINESS UND ICH | MEETUP BEI MOMPRENEURS

Von Mamis wird rund um die Uhr organisatorisches Talent, eine effiziente Arbeitsweise, die Fähigkeit zum Multi-Tasking und viel Ausdauer verlangt. Mama-Sein ist ein Job mit Höchstanforderungen. Würde man Mütter bei einem Bewerbungsgespräch nach ihren Eigenschaften fragen, wäre die Liste lang. Frauen mit Kindern sind zuverlässig und weisen eine große Verantwortungsbereitschaft auf. Wenn Not am Kind ist, meistern sie Probleme souverän mit viel Einfühlungsvermögen und hohem Engagement. Mütter müssen auf vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Sie sind Teamplayer, Kummerkasten, Zuhörer, Vertrauter, Ratgeber, Mediator, Motivator, Manager und mehr. Dennoch wird ihnen nach der Elternzeit der Wiedereinstieg in den Job oft schwer gemacht. Die Angst des Arbeitgebers, dass Mütter aufgrund von Kitaschließungszeiten und Kinderkrankheiten nicht flexibel genug sind, schwirrt immer noch in den Köpfen der Vorgesetzten herum.

Gründe genug, warum sich viele Mütter entscheiden, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und ein eigenes Business aufzuziehen. „Selbst“ und „ständig“ sind ihnen ja schon lange keine Fremdwörter mehr. Unter Druck qualitativ und quantitativ gute Arbeit zu leisten fällt ihnen nicht schwer und auch unternehmerisches Denken und Handeln ist ihnen nicht unbekannt. Dennoch sind plötzlich zwei Vollzeit-Jobs zu managen und das fällt dann doch nicht immer ganz leicht. „Diese hochqualifizierten Frauen sind eine ungenutzte Ressource“, meint Esther Eisenhardt. Esther Eisenhardt hat das Potential von Müttern schon lange erkannt und mit MomPreneurs im Juli 2014 ein Netzwerk und einen Wegweiser geschaffen, der es Müttern erleichtern soll, Selbständigkeit und Familienleben unter einen Hut zu bringen. Nach über 10 Jahren im Angestelltenverhältnis und der Geburt ihrer beiden Töchter wollte sie endlich „was eigenes“ machen, hat sich ins Gründerleben gestürzt und begonnen ein neues Leben zu leben; eines, das Raum schafft für die Verwirklichung eigener Ideen. Mit MomPreneurs hat sie, wie sie sagt, ein Unternehmen gegründet, an dem ihr ganzes Herzblut hängt. Das Konzept ist aufgegangen. „Ich hätte niemals gedacht, nach so kurzer Zeit schon mit einem solch großen und positiven Feedback rechnen zu können“, sagt sie stolz. „Männer sind oft der Meinung, dass man, um erfolgreich gründen zu können, Venture Capital, ein großes Team und mindestens eine 80 Stunden-Woche braucht. Ich habe zu mir selbst gesagt: Das will ich nicht und kann ich auch von meinem Familien-Setup her gar nicht. Heute weiß ich, dass es auch anders geht und kann mein Mutter-Sein und mein Business erfolgreich gleichzeitig managen“, erklärt Esther Eisenhardt. Ihre Erfahrungen und wichtige Tipps gibt sie regelmäßig in Vorträgen und Meetups weiter. Mittlerweile in bereits sieben Städten in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Kürzlich habe ich einen der Meetups von MomPreneurs besucht. Esther Eisenhardt hatte sich in ihre Gesprächsrunde Katja Hentschel (Gründerin von travelettes und Glowbus), Nina Schattkowsky (selbständige Social Media Beraterin) und Andrea Zschocher (freie Journalistin und Bloggerin des Mutter-Kind Blogs „runzelfuesschen“) eingeladen. Alles drei Mütter, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, darüber berichteten und den Zuhörerinnen Ratschläge mit auf den Weg gaben.

Andrea Zschocher, eine der drei Podiumsgäste, arbeitete vor der Geburt ihrer Tochter (15 Monate) als freie Journalistin für Kinder- und Jugendzeitschriften und als Onlineredakteurin für Kinderwebseiten. Nach der Elternzeit hat sich Andrea Zschocher neu orientieren müssen, noch mal von vorn begonnen und berichtet seitdem auf ihrem Blog „runzelfüßchen“ über Elternschaft, den Alltag mit ihrer Tochter und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „In meinem Blog geht es um die schönen Momente mit Kind. Denn egal wie anstrengend es auch sein mag, dieses Leben mit Kind, es gibt jeden Tag auch etwas, das mich begeistert, zum Lachen bringt und berührt. Weil ich ein grundpositiver Mensch bin, möchte ich mich an den schönen Seiten erfreuen. Ich will mich nicht über zerbrochenes Geschirr, ausgeräumte Schubfächer oder verdreckte Böden ärgern, sondern lieber darüber lachen, wie kreativ mein Kind mit Dingen umgeht. Da meine Tochter jeden Tag etwas ausheckt, geht mir der Stoff für den Blog so schnell wohl nicht aus.“ Darüber hinaus hat Andrea Zschocher durch das Bloggen auch neue Auftraggeber für ihre Tätigkeit als freie Journalistin gefunden. „Als Mutter arbeite ich heute allerdings anders. Da meine Tochter momentan noch nicht in den Kindergarten geht, schreibe ich vor allem abends oder am Wochenende. Früher hatte ich mehr Freizeit, heute dafür mehr Lebensqualität, weil ich die Zeit mit meinem Kind sehr bewusst genieße“, berichtet sie mir.

Welche hilfreichen Tipps sie Müttern, die mit Gedanken spielen sich selbstständig zu machen, geben kann, hat sie mir in einem interessanten Gespräch erzählt:

Was würdest du einer Frau raten, wenn sie sich mit einer Idee selbstständig machen möchte?
Teste deine Idee nicht nur im Freundeskreis. Suche dir möglichst neutrale Gesprächspartner, denen du vertraust und denen du von deiner Idee erzählen kannst. Nimm Kritik und Feedback ernst. Es fällt schwer, wenn die eigene Herzensidee kritisiert wird, aber man kann sicher auch einiges dabei lernen. Anmerkungen führen oft dazu, die Idee zu verbessern und können letztlich dabei helfen, erfolgreicher zu werden.

Wenn dann die Idee steht, welches wären die nächsten Schritte? Lernen wie man eine Website aufsetzt oder wie man Kunden anspricht. Und auch zu lernen, wie man sich vernetzt und aus der eigenen Komfortzone rauskommt. Das liegt nicht jeder Frau von Natur aus, man sollte lernen, über seinen Schatten zu springen. Zur neuen Selbstständigkeit gehört auch Neugier.

Als Mutter ist es nicht immer einfach Job und Kind unter einen Hut zu bringen. Welchen Rat kannst du geben?
Hilfe annehmen. Egal, ob du deinen Partner mehr in die Kinderbetreuung einbindest, deine Freundin um Hilfe bittest oder deine Eltern um Unterstützung. Als MomPreneurin muss man lernen, Hilfe anzubieten und anzunehmen. Man kann nicht alles allein schaffen, aber nicht jeder weiß, wie er unterstützen soll. Man muss lernen, um konkrete Hilfestellungen zu bitten, statt zu hoffen, dass jemand erkennt, was man braucht.

Viele Mütter, die aufgrund von Elternzeit im Job pausiert haben sind unsicher beim Wiedereinstieg. Wenn eine Selbstständigkeit geplant ist, kommt noch die Angst vor dem Risiko dazu. Was sagst du, um ihnen Mut zu machen?
Mach dich nicht klein! Der wohl wichtigste Punkt. Manchmal unterschätzen Frauen, wie gut sie sind. Mach das nicht! Du bist eine MomPreneurin, du hast tolle Ideen, einen guten Plan, du bist bereit zu lernen. Es wird vielleicht nicht sofort alles so klappen, wie du es dir erträumst. Das ist normal. Halte dich dran fest, dass du gut bist. Suche keine Ausreden, wieso etwas nicht funktioniert, betrachte es mit etwas Abstand und steh zu dir. Ein gesundes Selbstbewusstsein hat noch keiner Frau geschadet!

Nina Schattkowsky ist die Social Media Expertin auf dem Podium. Als frischgebackene Mami suchte sie eine Alternative zu ihrer unflexiblen Festanstellung und machte sich 2012 als Social Media Manager selbstständig. Heute berät und schult sie erfolgreich Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen in Sachen Social Media, Online-PR und klassische PR. Nina Schattkowsky weiß, dass der Umgang und Einsatz von Facebook, Twitter, Google+ und co. heutzutage unabdingbar ist um ein Business voranzutreiben. Ich habe sie dazu befragt und sie gebeten mir erste Social Media Tipps für Frauen, die den Start in die Selbstständigkeit wagen wollen, zu verraten. Hier sind sie:

  1. Habe keine Berührungsängste! Social Media ist meist ziemlich selbsterklärend und wenn man sich ein bisschen umschaut, hat man schnell die entscheidenden Kniffe drauf. Man braucht kein Programmierer sein, nur ein guter Geschichtenerzähler.
  1. Überlege dir genau, was du auf Social Media erreichen willst! Überall ein bisschen „rummachen“ bringt meist nicht so viel. Lieber ein klares Ziel und eine oder zwei Plattformen, die dafür richtig bedient werden.
  1. Es muss nicht immer Facebook sein! Schau dir an, was für dein Produkt und dein Ziel die richtige Plattform ist. Vielleicht brauchst du eher B2B und hast erklärungsintensive Inhalte? Dann lieber einen Blog oder LinkedIn. Geh dorthin, wo deine Kunden sind und deine Inhalte Sinn machen.
  1. Immer den Kunden im Blick behalten! Mach dir ein genaues Bild über deine Kunden. Social Media ist ein Dialogmedium, also musst du genau wissen was deine Fans/Follower hören wollen. Kreiere mit deiner Kommunikation unbedingt einen Mehrwert für sie. Niemand will auf Social Media mit Marketingbotschaften beschossen werden.