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KATJA HENTSCHEL | MIT DER KAMERA IM GEPÄCK

Katja Hentschel ist Deutschlands wohl bekannteste Mode- und Reise-Bloggerin, immerzu unterwegs in der Welt, auf der Suche nach interessanten Charakteren sowie den neuesten Hotspots und Trends, die eine Stadt ausmachen. Im Netz berichtet sie auf ihrem Fashion-Blog glamcanyon.com über Mode die aus keinem Hochglanzmagazin stammt, sondern so wie sie, auf der Straße zu finden ist. Auf ihrem Reise-Blog travelettes.net hält sie Ihre Eindrücke aus verschiedenen Metropolen wie New York, London und Paris fest. Immer mit ihrer Fotokamera bewaffnet und immer auf der Suche nach dem einen, ganz besonders magischen Moment.

Wer ist Katja Hentschel?
(Lacht) Schwer, das in zwei Sätzen zusammen zu fassen! Was mich in erster Linie ausmacht ist, dass man mich nicht in eine bestimmte Schublade stecken kann. So habe ich einen Master in Kinderpsychologie, arbeite aber als Fotografin. Ich habe acht Jahre im Ausland gelebt, spreche vier Sprachen fließend, liebe Menschen, Mode, Reisen. Manchmal habe ich den Eindruck, es stecken ganz viele verschiedene Persönlichkeiten in mir und ich bin ständig bemüht, es allen recht zu machen.

Katja, Du bist Fotografin, betreibst einen Mode- und Reise-Blog und hast gerade erst ein Buch herausgebracht. Warum tust Du, was Du tust?
Mein Antrieb ist in erster Linie Selbstverwirklichung. Dieses Leben bietet so viele unglaubliche Möglichkeiten und ich fände, es wäre eine Verschwendung, nicht zumindest zu versuchen, sie zu nutzen. Oft frage ich mich „Bin ich glücklich?“ Je nachdem wie die Antwort ausfällt ändere ich meinen Weg oder mache so weiter wie bisher. Ich denke das Glück liegt in unserer Hand, unser Leben sowieso, man muss nur in der Lage sein, sich die Frage zu stellen: Wer bin ich und was will ich eigentlich? Die Antworten hierauf muss man dann so gut es eben geht umsetzen. Es war immer mein Wunsch, kreativ und abwechslungsreich zu arbeiten, reisen zu können, viele verschiedene Menschen zu treffen, von ihnen zu lernen und ihnen etwas zurückzugeben. Aus all diesen Faktoren habe ich mir dann meinen Job modelliert.

Du bist gerade mal Anfang 30 und schon so erfolgreich. Was ist Dein Geheimnis?
Es ist enorm wichtig selbstmotiviert zu arbeiten, morgens früh aufzustehen und sich an das zu setzen, was man erreichen will. Ich investiere viel Zeit und Energie in meine Aufgaben, aber wenn man liebt was man tut, fühlt es sich in der Regel nicht wie Arbeit an.
Als Fotografin und Fashion-Bloggerin sprichst Du auf der Straße Menschen mit einem interessanten Kleidungsstil an, fotografierst sie und lädst die Bilder auf deinem Streetstyle-Modeblog glamcanyon hoch. Was fasziniert Dich an Street Fashion?
Wenn ich Menschen auf der Straße abbilde, geht es mir nicht in erster Linie um die Klamotte, sondern immer auch ein ganzes Stück um den Menschen dahinter. Street Fashion zu fotografieren ist immer auch ein ganzes Stück Gegenwartsdokumentation und das Festhalten einer Kultur, wie sie im Hier und Heute existiert. Durch den Blog kann ich diese nicht nur mit dem Rest der Welt teilen, ich halte sie auch für die Zukunft fest. So wird man in 30 Jahren sehen können, wie sich die Berliner jetzt gekleidet haben.

Wie siehst Du die Rolle von Berlin als Modestandort?
Berlin ist das zu Hause von immer mehr nationalen und internationalen Künstlern, was natürlich unmittelbaren Einfluss auf die Modeszene hat. Mit der Fashion Week finden auch immer mehr tolle Jungdesigner ihren Weg in das Rampenlicht. Mittlerweile haben wir in Berlin schon einige tolle Labels zu bieten, die mit den Standards anderer Modemetropolen mithalten können.

2009 hast Du ein Reise-Onlinemagazin mit dem Namen Travelettes.net. Erzähl uns mehr darüber.
Die Travelettes, das sind 11 junge Frauen aus verschieden Ländern, die über Reiseerfahrungen und interessante Sachen aus aller Welt berichten. Wir möchten andere, vor allem junge Frauen, dazu inspirieren selbst mehr zu reisen, vielleicht auch anders zu reisen. Viele haben Angst allein loszugehen, denken dass sie ohne Sprachkenntnisse oder mit kleinem Budget nicht weit kommen können. Wir hoffen dabei mitzuwirken, dass derartige Vorurteile nach und nach abgebaut werden.

Wie kam es dazu, den Blog mit vielen anderen zu betreiben?
Wir sind alle vollkommen unterschiedlich und wollen gezielt auch ganz verschiedene Frauentypen ansprechen. Die Travelettes sind Studentinnen, Grafikerinnen, Redakteurinnen – einfach ein bunter Haufen, der für viel Abwechslung sorgt, die auch dringend nötig ist bei unserem Thema – die Welt.

Du hast schon in San Francisco, Barcelona, Paris, New York und London gelebt. Jetzt bist du seit drei Jahren in Berlin. Hast du bestimmte Dinge, die dir folgen, wenn du umziehst oder kannst du immer alles hinter dir lassen und ganz von vorne anfangen?
Ich habe gelernt loszulassen, nicht selten vergesse ich Dinge auch, wenn ich sie nicht mehr um mich habe. Ich kann eigentlich ohne alles leben, nur meine Kamera, die reist überall hin mit.

Kennst du das Gefühl von Heimweh? Wo ist dein Zuhause?
Mein Zuhause ist natürlich in erster Linie da wo ich gerade lebe, wo meine Wohnung ist, meine Freunde, mein Fahrrad, mein Lieblingscafé und so weiter. Aktuell ist das Berlin. Ich habe längere Zeit in Städten wie London, Paris, San Francisco oder New York verbracht, weshalb ich mich auch mit diesen Orten sehr verbunden fühle. Mit jeder weiteren Reise habe ich immer stärker das Gefühl, dass ich in der ganzen Welt zu Hause bin, eher als nur an der einen, ganz bestimmten Hausnummer.

„Travelettes – In High Heels um die Welt“, so heißt dein Buch, das Anfang im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen ist.
In dem Buch berichten 20 Autorinnen in Form von Kurzgeschichten von ihren 33 spannendsten, skurrilsten und lustigsten Reiseerlebnissen. Da ist zum Beispiel eine, die am Flughafen hängen bleibt oder eine andere, die in Mexiko um ihr Leben bangt, eine nächste, die ein Erdbeben in Taiwan erlebt oder diejenige, die auf einer kleinen Insel in Thailand auf den Mann ihrer Träume trifft. Manche Anekdoten sind lustig, andere auch etwas nachdenklicher, in jedem Fall ist dieses Buch aber eine unterhaltsame Lektüre, bei der Fernweh programmiert ist.

Verrätst du uns zum Abschluss noch deine Lieblingsplätze in Berlin?
Ich mag das Rheingold in Mitte für entspannte Cocktails an der eleganten, langen Bar. Für abgerocktes Berlin-Feeling liebe ich aber auch die Tier Bar in Neukölln. An Sonntagen genieße ich ein entspanntes Frühstück im Fleury oder den leckeren Kaffee im The Barn in der Auguststraße. Mein Geheimtipp für den Sommer ist aber ein anderer: der Orankesee. Der ist schnell mit dem Fahrrad erreichbar und ist von den meisten noch unentdeckt, was ihn auch zum idealen Ort macht, um sich mit ein paar Freunden und einer Flasche Wein ans Ufer zu setzen und die Beine ins Wasser baumeln zu lassen.

www.katjahentschel.com   |   glamcanyon.blogspot.de
www.travelettes.net