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KINDERMODELABEL MACARONS | ÖKOLOGISCH IST PFLICHT

Der Begriff „Öko“ entledigt sich nach und nach seines verstaubten Kleides. Das Thema „Nachhaltige Mode“ wird langsam, aber stetig vom Nischen- zum Mainstreamthema. Trotz allem gibt es in der Modeindustrie immer noch einen hohen Prozentteil an Marken, die Greenwashing betreiben.

Julie Carol Kohlhoff konnte den Teufelskreis der schnelllebigen, schlecht produzierten und unfairen Mode nicht mehr länger ertragen. So war sie sich, als Mutter von zwei Kindern, ihrer Verantwortung bewusst, und gründete 2011 das Kindermode-Label macarons. Unter dem Slogan: „Pure Fashion for the next Avantgarde“, produziert das Familienunternehmen „einwandfreie“ Kindermode. Fair, biologisch, frei von Schadstoffen und chemischen Zusätzen und mit dem Einsatz regionalen Handwerks. Julie Carol Kohlhoff kennt den Werdegang jedes einzelnen ihrer Artikel von A-Z. Sie ist im Bilde darüber, welche Stoffe und Mittel für die Produktion verwendet werden, sie kennt die Orte der Herstellung und sie weiß wer die Kleidung anfertigt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Veit, ihrer Schwiegermutter Claudia und angetrieben durch ihre Töchter Cléo und Cécile, entsteht Mode „für die „next generation“- für die Kinder von morgen, diejenigen, die die guten Entscheidungen treffen werden.“.

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Portrait Julie Carol Kohlhoff © macarons

 

Wie arbeitet es sich in einem Familienunternehmen? Lässt sich Beruf, Familie und Beziehung gut vereinbaren?
Ein Familienunternehmen erfordert sehr gute Organisation, Flexibilität und gegenseitigen Respekt. Es ist eine große Chance, denn so viel Vertrauen wie innerhalb der Familie hat man in keinem anderen Unternehmen. Auf der anderen Seite muss sich jeder auch seine Freiräume schaffen. Die Leidenschaft und der Zusammenhalt stärken einen jedoch ungemein.

Der ökologische Aspekt und das soziale Bewusstsein spielen in den Kollektionen von macarons eine wichtige Rolle. Erzählen Sie uns mehr dazu.
Wir beginnen beim Einkauf des GOTS zertifizierten Rohmaterial, in unserem Fall Merino-Wolle und Baumwolle. Alle Schritte die in der Wertschöpfungskette folgen – vom Stricken und Weben bis hin zur Konfektion – koordinieren wir selber. Wir arbeiten mit wunderbaren Partnern innerhalb der EU, vornehmlich in Deutschland und der Schweiz. Jeder Betrieb wird von uns persönlich ausgewählt und wir erarbeiten langfristige, tolle Partnerschaften. Wir machen uns, vom Knopf bis zum Garn, über alles Gedanken und sind mittlerweile Pioniere in ökologischer Textilentwicklung geworden. Dafür wurden wir bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Die ökokorrekte Fashion-Szene wird scheinbar immer größer. Kann man denn auch immer sicher sein, dass da, wo „öko“ drauf steht auch „öko“ drin ist?
Sicherlich gibt es leider auch viel „Greenwashing“. Daher sollte man den Unternehmen genaue Fragen stellen können, wie zum Beispiel wo und unter welchen Bedingungen produziert wurde. Es gibt sehr gute Siegel in der Textilbranche. Wir arbeiten nach GOTS-Standard bei der Entwicklung unserer Stoffe. Wir sind überzeugt davon, dass dieses Siegel sich langfristig durchsetzen wird und arbeiten auf Hochdruck an einer kompletten GOTS-Unternehmenszertifizierung.

Wie können Sie die Herstellung der Textilien, die macarons für ihre Kollektionen verwendet, kontrollieren?
Indem wir alle Schritte selber steuern und auf regionales Handwerk und kurze Wege setzen. Wir arbeiten in sehr engem Kontakt mit unserem Stricker in der schwäbischen Alb und unserem Webstoffhersteller in der Schweiz. Unsere GOTS zertifizierten Rohgarne kaufen wir ausschließlich von deutschen Qualitätsspinnereien.

Irgendwann wird der Moment kommen, an dem die Kinder nicht mehr das anziehen wollen was Mama vorschreibt. Was dann?
Aufklärung muss im frühen Kindesalter beginnen. Man muss seinen Kindern ein gutes Vorbild sein. Somit beginnt der bewusste Einkauf schon bei einem selbst. Zudem muss man seinen Kindern viel erklären und ein Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit schaffen. Das ist unsere Verantwortung als Eltern. Ich glaube daran, dass Kinder, die mit diesem Wissen aufwachsen, auch später gut konsumieren werden. Zudem ist es wichtig, dass sie eigene Entscheidungen und Wege gehen. So werden sie bestimmt auch einmal den einen oder anderen Fehlkauf machen, aber das gehört dazu und wie heißt es so schön? „Aus Fehlern lernt man!“.

Sie sind Halbfranzösin. Die Franzosen geben bekanntlich viel Geld für die Kleidung ihrer Kinder aus. Wie sieht das in Deutschland aus? Ist das Geschäft hier mit Kindermode ein härteres Brot?
Man täuscht sich da sehr. Gerade in der Krise sind die Franzosen extrem preisbewusst und geben recht wenig für Bekleidung aus. In Deutschland haben wir eine viel stärkere Wirtschaft und den Deutschen geht es insgesamt gesehen sehr gut. Wir sind nur Meister im Negativmalen und Beschweren. Es ist fast so, als könnten wir uns nicht freuen, dass wir in einer sehr guten Zeit leben, in der wir vor allem Sicherheit und Freiheit leben können. Individualität spielt dabei eine große Rolle. Diesem Wunsch möchten wir mit unseren besonderen Kleidungsstücken gerecht werden. Deutschland ist neben Asien, Russland und den USA unser stärkster Markt.

Worin genau besteht der Unterschied zwischen französischer und deutscher Mode?
Franzosen lieben es elegant und raffiniert. Sie kaufen nie nach Praktikabilitäts-Gesichtspunkten, sondern sind eher Spontan-Käufer. Uns Deutschen sagt man im Ausland, insbesondere in Frankreich, einen sehr schlechten Geschmack nach. Aber ich denke, das stimmt so nicht. Wir kaufen einfach bewusster und denken langfristiger. Die Franzosen sind zum Beispiel auch noch Meilenweit davon entfernt sich ökologische oder soziale Gedanken zu der Herkunft ihrer Bekleidung zu machen. Da sind wir Deutschen viel fortschrittlicher und das finde ich wahnsinnig wichtig.

Nachhaltigkeit ist auch eine Frage des Preises. Viele Konsumenten wünschen sich zwar ökologisch produzierte Mode, scheuen sich jedoch dafür den Preis zu zahlen. Was würden Sie Ihnen sagen, um sie letztendlich zu überzeugen?
Es ist eine Frage der Einstellung. Es geht uns um bewussten Konsum. Die Grundeinstellung muss sich ändern. Wir sind es gewohnt im Überfluss zu leben und auch zu konsumieren. Anstatt ständig auf der Suche nach dem letzten Trend zu sein und jede Woche mit drei neuen Tüten Kleidung nach Hause zu kommen, appellieren wir dazu, lieber ein gutes Teil zu kaufen und mit Second Hand zu kombinieren. Oder auch neue Wege zu suchen, wie zum Beispiel Gemeinschaftsgeschenke zu machen. Wenige tolle Geschenke wissen Kinder viel mehr zu schätzen, als eine Flut an vielem, billigen Zeug.

Kinder wachsen so schnell aus ihrer Kleidung heraus. Lohnt es sich überhaupt Kleider zu kaufen, die überdurchschnittlich im Preis liegen?
Man sollte Kindern den gleichen Respekt wie Erwachsenen geben. Man selbst zieht sich ja auch gerne besonders an. Warum sollten Kinder das nicht auch tun? Jedes Kind ist es „wert“ besondere Kleidung zu tragen. Wir sagen ja nicht, dass jedes Teil in der Garderobe ein exklusives Kleidungsstück sein muss, aber mit Sicherheit lohnt sich die Investition in ein hochwertiges Oberteil, in eine gute Hose und ein paar gute Lederschuhe.

Sie scheinen den Spagat zwischen Arbeit und Mutter-Sein gut hinzubekommen. Gibt es einen Tipp, den Sie arbeitenden Müttern mit auf den Weg geben können?
Man muss sich einfach gut organisieren. So wie in jeder gut strukturierten Firma auch. Man muss sich einen Tagesplan oder Wochenplan erstellen. Mit kleinen Kindern braucht man gute Hilfe von Freunden, Großeltern, Bekannten, guten Institutionen und natürlich dem eigenen Ehemann. Ich würde mir mehr Arbeitgeber wünschen, die Müttern flexible Arbeitszeiten anbieten. So, wie es auch bei uns ist. Zudem dürfen Frauen, die bei uns arbeiten selber entscheiden, ob Sie Ihre Kinder zur Arbeit mitbringen möchten oder lieber fremde Betreuung wünschen. Unsere größere Tochter geht vormittags in einen Waldorfkindergarten, zudem haben wir Schwiegereltern und gute Freunde in der Nähe, die uns unterstützen. Unsere kleine Tochter kommt an drei Vormittagen mit uns ins Büro. Die Betreuung in der übrigen Zeit teilen mein Mann und ich unter uns auf.