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EINE GALERIE FLUSSAUFWÄRTS

November 2018 öffnete die GALERIE ALBER erstmals ihre Türen – ein langersehnter Wunsch, den sich der Unternehmensberater und Galerist Marco Alber nun endlich erfüllt hat. Mitten im Herzen von Köln und mit historischem Charakter, plant hier der Kunstliebhaber, die Kölner Galerieszene mit neuen Vermittlungs- und Kurationskonzepten zu bereichern. barton traf den 31-Jährigen, um mit ihm über seine Liebe zur Kunst und über das Haifischbecken der Branche zu sprechen.

Lieber Marco, schaut man sich deinen Lebenslauf an, war die Kunst immer schon ein fester Bestandteil deines Werdegangs – als Kurator oder Vermittler und Berater für Kunstsammler. Deine Liebe zur Kunst gipfelt jetzt in der Eröffnung einer eigenen Galerie. Beruht diese Entscheidung auf einem langanhaltenden Wunsch oder gab es eine Art Initialzündung?

Klare Antwort: langanhaltender Wunsch! (lacht) Ich bin jemand der sehr gerne und viel arbeitet und mir hat es einfach nicht ausgereicht, nur im privaten Kontext mit Kunst zu tun zu haben. Ich habe einige Jahre, angetrieben von meiner Leidenschaft für die Kunst, diverse Möglichkeiten genutzt, um mich in diesem Bereich zu betätigen. Angefangen über ehrenamtliche Unterstützung im Verein jungekunstfreunde, über projektbezogene Kurationstätigkeiten oder Künstlerinterviews – ich habe vieles ausprobiert und gemerkt, dass es mir wahnsinnig viel Freude macht und ich der Kunst in meinem Leben deutlich mehr Raum geben möchte. Mit der Gründung der Galerie K im Agnesviertel in Köln 2015 habe ich das Ganze dann, gemeinsam mit meiner Freundin, das erste Mal professioneller angepackt.

Das war übrigens eine Initialzündung. (lacht) Sonntags waren wir spazieren und haben den leeren Raum gesehen; da war mir klar, dass ich einfach ins kalte Wasser springen und eine eigene Galerie gründen wollte. Vom Idealismus getrieben, wollten wir möglichst viele Leute in den Raum locken, also nicht nur Menschen, die sowieso mit der Kunst zu tun haben. Trotzdem lag mein Fokus immer noch zu sehr auf meiner Tätigkeit als Unternehmensberater. Einer der Gründe, warum die Galerie K leider nicht allzu lang bestehen konnte. Jetzt hat sich dieser Fokus allerdings zu Gunsten der Kunst verschoben, weil ich selbstständig als Unternehmensberater tätig bin und meine Zeit deutlich besser einteilen kann. Heißt, mein Schwerpunkt liegt jetzt ganz deutlich auf der Kunst und bei der Arbeit in der Galerie, worüber ich mich wirklich sehr freue, weil es langfristig genau das ist, was ich machen möchte und schon immer machen wollte.

Wie empfindest du die Galerieszene in Köln? Ist die Gründung einer eigenen Galerie auch aus dem Gefühl erwachsen, dass sich die Galerielandschaft wenig divers zeigt und ein junger, ein neuer Ansatz her muss?

Ich denke auch, dass die Galerieszene in Köln auf jeden Fall ausbaufähig ist, was den Mut anbelangt Neues auszuprobieren. Trotzdem war das nicht der Grund für mich, eine eigene Galerie zu gründen. Vielmehr hat sich darüber die Standortfrage entschieden. Für mich ist Köln einfach der richtige Ort für eine Galerie, weil die Stadt zum einen eine lange Galeriegeschichte hat und die rheinische Galerietradition viel Gutes mit sich bringt, worauf ich gerne aufbauen möchte. Aber zum anderen ist die Galerieszene in Köln leider nicht so vielfältig und zugänglich, wie sie sein könnte. Es gibt hier wirklich großartige Künstler, die auch gezeigt werden, daran liegt es nicht, aber die Präsentation und Kuration ist oftmals wenig einladend und wirkt verstaubt. Ich möchte einen anderen, neuen Zugang zur Kunst schaffen. Natürlich darf man dabei den wirtschaftlichen Aspekt nicht aus den Augen verlieren, aber eine Galerie hat für mich vor allem die Aufgabe, die Kunst und die Künstler*innen so zu präsentieren, dass alle abgeholt werden. Überspitzt gesagt: Ein paar Bilder aufhängen und ein Glas Sekt dazu reichen, ist nicht das, was ich hier vorhabe.

Die Gründung einer eigenen Galerie auf dem brausenden Fahrwasser des Kunstmarktes, scheint auf den ersten Blick sehr risikobehaftet. Kunst kann heute gefallen und morgen schon ausrangiert in Vergessenheit geraten. Woher nimmst du den Mut in genau dieses Haifischbecken zu springen?

Ich glaube, ich bin grundsätzlich ein risikofreudiger Mensch. Also im Grunde hat sich für mich die Frage nach dem Risiko gar nicht wirklich gestellt. Ich wusste, dass ich mit Kunst arbeiten möchte und habe nach Möglichkeiten gesucht, diesen Wunsch umzusetzen. Für jemanden wie mich sind die Optionen da gar nicht so vielfältig, weil ich ja nicht den klassischen kunsthistorischen Background habe. Ich habe mir über die Jahre natürlich einiges selber beigebracht und angelesen. Das Arbeiten mit Kunst beruht für mich sowieso stark auf dem Bereich der Erfahrung und der Intuition. Ich bin also guter Dinge, dass alles so klappen wird, wie ich es mir vorstelle. Das Haifischbecken ist vermutlich doch nur in dem Maß beängstigend, wie wir es selbst zulassen. Davon möchte ich mich nicht beeinflussen lassen und stattdessen versuchen, die bestehenden, meist festgefahrenen Strukturen, ein wenig zu lockern oder gar aufzubrechen. Und im besten Fall ist das Haifischbecken dann gar nicht mehr so gefährlich, wie anfangs gedacht.

Okay, dann jetzt noch ein wenig polemischer gefragt – Was wiegt mehr: Glaube an die Kunst oder unternehmerischer Wahnsinn?

Immer der Glaube an die Kunst. (lacht) Nein, im Ernst, die idealistischen Vorstellungen meines Handelns und die persönlichen Maßstäbe an meine Arbeit, sind immer schon ein wichtiger Bestandteil von dem, was ich mache bzw. wie ich es mache. Ich denke, dass ist auch gut so, weil so die eigene Messlatte kontinuierlich hoch hängt und man gezwungen ist, sich immer ein wenig zu strecken, ohne es sich allzu bequem zu machen. Ich möchte gerne was verändern – da ist er wieder, der Idealismus!

Wie wird diese Veränderung aussehen? Du hast in dem Zusammenhang mal von einem progressiven Kurationskonzept gesprochen. Wie sieht dieses Konzept aus?

Kurz gesagt, es geht mir um den Grundsatz der Kooperation und der Vermittlung, sowohl auf der internen als auch auf der externen Ebene. Extern insofern, dass zwischen Off Spaces, dem öffentlichen Raum und Galerien kooperiert werden soll. Und natürlich auch unter den Galerien selbst. Also eigentlich mit allen Kunstakteuren, die gewillt sind mitzuarbeiten, um den Künstlern und Künstlerinnen den Raum zu geben, sich bestmöglich präsentieren und entfalten zu können. Intern bedeutet dieses Konzept, dass ich nur mit Künstlern und Künstlerinnen zusammenarbeiten möchte, die auch an einer Kooperation mit mir Interesse haben. Das heißt, dass ein Austausch auf beiden Seiten stattfindet – ich möchte eine Grundlage schaffen, um eine fruchtbare Diskussion entstehen zu lassen. Sei es in Form von inhaltlichen Anmerkungen meinerseits oder ehrlichen Feedbacks der Kunstschaffenden, was meine Arbeit oder Kuration in der Galerie betrifft. Davon können beide Seiten profitieren.

Apropos Austausch: Ist dir der Austausch auch zwischen den jeweiligen Künstlern wichtig, die du ausstellst?

Ja, absolut. Es wird immer eine Gesamtausstellung geben, ganz gleich, wie viele Künstler hier an den Wänden hängen, liegen oder stehen. Alle Werke sollen miteinander arbeiten, das ist mir sehr wichtig. Die Kombination der Kunstwerke bzw. der Künstler sowie die Kuration des Ganzen hat schon den Anspruch, dass alles in einem Austausch entsteht und auch in einem Austausch bleibt. Denn erst dieser Austausch fördert auch die Auseinandersetzung, nicht nur von meiner Seite, sondern auch von den Leuten, die sich die Kunst ansehen werden.

Galerie Alber in Köln © GALERIE ALBER, Photographie Rike Lenz

Bei einer Galerie hat man ja meistens den klassischen White Cube im Kopf. Also grauer Betonboden, weiße Wände, Gradlinigkeit. Jetzt fällt deine Galerie doch ein wenig durch dieses typische Raster und hat durch die spezielle Architektur und Raumgestaltung einen sehr eigenen Charakter. War das von Anfang an gewollt?

Ehrlich gesagt, bin ich genau mit diesen „klassischen“ Vorstellungen auf die Suche nach einem Galerieraum gegangen. Aber als ich auf die Räumlichkeiten hier am Römerturm gestoßen bin, ist mir schnell das Potenzial dieses Ortes bewusst geworden. Im Grunde hat mich am Ende genau diese charakterstarke Architektur und Gestaltung überzeugt, weil ich ja auch eine Galerie plane, die nicht nach dem 0815-Schema funktioniert. Ich habe konkrete Vorstellungen von dem, was hier passieren soll, genau wie die Künstler, und der Raum bietet die Möglichkeit, die individuellen Kunstwerke und Bedürfnisse zurückhaltend aufzunehmen und sie gleichzeitig wieder herauszufordern.

Als letzte Frage: Was muss ein Galerist unbedingt können? Welche Eigenschaft ist unbedingt notwendig?

Eine? (lacht) Das ist eine wirklich gute Frage. Spontan hätte ich gesagt, ein großes organisatorisches Talent. Das merke ich auch gerade bei mir, weil ich vor allem damit beschäftigt bin, Gläser zu besorgen oder die Buchhaltung zu machen. Das ist sicher eine Fähigkeit, die unabdingbar ist, aber natürlich nicht allein entscheidend. Ich denke, dass was es am Ende essenziell macht, ist eine gewisse Wahrnehmungsgabe. Gibt es dieses Wort überhaupt? Also die Fähigkeit ästhetisch zu denken und zu konzipieren – das ist sicherlich eine der wichtigsten Kernkompetenzen, die ein Galerist oder eine Galeristin mitbringen sollte.


GALERIE ALBER

Am Römerturm 15
50667 Köln

Email: contact@galeriealber.com
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