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EIN AUGE FÜR DIE KUNST

Das „Auge“ so nennt das Museum de Fundatie Zwolle selbst den neuen ellipsenförmigen Aufbau auf dem Dach. Andere assoziieren mit der modernen Kuppel auf dem ehemaligen Justizpalast am Blijmarkt vielleicht ein Raumschiff oder einen Zeppelin. Auf jeden Fall ist das markante mit Tausenden weiß-blauen Fliesen belegte „Auge“ nicht nur neues Wahrzeichen von Zwolle, wie etwa der Gery-Bau für Bilbao. Es ist auch das neue Reiseziel in die Hauptstadt der niederländischen Provinz Overijssel. Das „Auge“ wurde nach dem Entwurf des niederländischen Architekten Hubert-Jan Henket erbaut und bietet Platz für zwei neue Ausstellungsräume mit einer Gesamtfläche von fast 1000 Quadratmetern zusätzlich gewonnener Ausstellungsfläche. Um die Symmetrie des denkmalgeschützten Gebäudes nicht zu zerstören, wählte man für die dringend benötigte Erweiterung des beliebten Museums einen Aufbau auf dem Dach. Belegt wurde er mit 55.000 weiß-blauen eigens für dafür entworfenen Fliesen. Wie eine übergroße Skulptur aus dem 21. Jahrhundert ziert das „Auge“ nun den neoklassizistischen Bau aus dem 19. Jahrhundert. Im Inneren sind beide Teile durch einen gläsernen Aufzug miteinander verbunden.
So verbindet das Museum Altes und Neues und steht als futuristische Skulptur zwischen dem Ringgraben und dem mittelalterlichen Stadtkern. Das Museum de Fundatie ist an zwei prachtvollen Standorten untergebracht: im Palast am Blijmarkt in Zwolle sowie im Schloss het Nijenhuis bei Heino. Es verfügt über eine umfangreiche Sammlung bildender Kunst. Diese hat ihren Ursprung in der Sammlung des ehemaligen Direktors des Rotterdamer Museums Boymans, Dirk Hannemaende, die im Laufe der Zeit mit wichtigen Werken ergänzt wurde, darunter die Kunstsammlung der Provinz Overijssel.Im Museum de Fundatie Zwolle werden die schönsten Werke aus der hauseigenen Sammlung gezeigt: darunter Bilder von William Turner, Edgar Degas und Piet Mondriaan. Auch das erst vor zwei Jahren entdeckte Gemälde Vincent van Goghs „De molen ‘Le blute-fin’ (Die Mühle ‘Le blute-fin’)“, das von Dirk Hannema, dem Gründer des Museums, für die Sammlung des Hauses erworben wurde, wird nun in den ebenfalls modernisierten Ausstellungsräumen im Altbau wieder präsentiert. Nach einem Besuch der Sammlung und Sonderausstellungen können die Besucher durch ein großes ovales Fenster im „Auge“ zudem einen eindrucksvollen Blick auf die malerische Altstadt genießen. Gerade im Frühling und Sommer ist der Blick über die weitläufigen Gärten grandios; Tausende von Blumen blühen dann und in voller Pracht. Das Schloss selbst wird eingerahmt von einem märchenhaften Teich. Der Park dient zudem als abwechslungsreiche Kulisse für einen Skulpturenpark. Die insgesamt 25 Skulpturen stammen vorwiegend aus dem 20. Jahrhundert und können zu jeder Jahreszeit entdeckt werden.
From Turner to Appel – Präsenzschau