Wie Jungs und doch so anders

Kleidung wird durch kulturellen Kontext zu Mode. Die japanische Designerin Rei Kawakubo gründete 1969 ihr Modelabel Comme des Garçons (deutsch: Wie Jungs). Bis heute geht es ihr nicht darum zu gefallen, sondern spielerisch und lustvoll den männlichen, durch westliche Schönheitsideale gelenkten Blick zu stören. Konventionen der Schnittkunst bricht Kawakubo durch Dekonstruktion, Verschiebung, Zerstörung und Ausbuchtungen ohne Rücksicht auf Körperformen. Menschen eignen sich die Kleidobjekte an, bringen sie in ihren je eigenen Kontexten zum Leben, nicht ohne Aufsehen zu erregen. Comme des Garçons widerspricht der Norm, fällt auf und provoziert nicht selten.

Designerin und Mode-Ikone Michelle Elie liebt, sammelt und lebt Kawakubos Entwürfe leidenschaftlich – auf den internationalen Fashionweeks, die sie regelmäßig besucht, und in ihrem Kölner Alltag. Das Museum Angewandte Kunst zeigt Elies Sammlung und lässt sie selbst die Geschichten der jeweiligen Stücke erzählen: Vom Moment der Entdeckung, über den Erwerb, bis hin zum Erleben auf dem eigenen Körper und den unterschiedlichsten Reaktionen, die das Tragen bei anderen provoziert. „Life doesn’t frighten me“, sagt die gebürtige Haitianerin, und tatsächlich gehört Mut dazu, Kawakubo zu tragen und sich damit klar gegen gesellschaftliche Normen zu positionieren. Als schwarze Frau in einer weißen Mehrheitsgesellschaft mit ihren entsprechenden Vorstellungen von Schönheit, strotzt Elie bereits durch ihr bloßes Sein jeder Norm. Mit Comme des Garçons am Leib, überspitzt sie ihre Körpererfahrungen selbstbewusst und fordert damit Betrachter heraus, ihr je eigenes Körpererleben zu reflektieren.

Michelle Elie hat bis 2000 in New York City gelebt und an der New Yorker Universität studiert. Nach ihrem Studium arbeitete sie zehn Jahre lang als Model und danach sowohl als Modestylistin als auch als freie Mitarbeiterin für einige Modemagazine gearbeitet. Seit 2000 lebt Michelle Elie mit ihren drei Kindern und ihrem Ehemann Mike Meiré, mit dem sie an mehreren Projekten zusammengearbeitet hat, in Köln. 2010 hat sie ihr eigenes Label PRIM gegründet.

Museum für angewandte Kunst Frankfurt | Life doesn’t frighten me Michelle Elie wears Comme des Garçons | 3. April – 30. August 2020 |  www.museumangewandtekunst.de

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